Proseminar — SS 2026
Lektion 3: Von Null zum Modell
Stift & Papier — Wir modellieren gemeinsam
Du/Sie-Entscheidung als performatives Experiment — Feedback, Emergenz, Koordination, Pfadabhängigkeit intuitiv erlebt.
Systemwissenschaft als Meta-Wissenschaft, Wicked Problems, Systemeigenschaften, Komplexität, Modellierungsansätze.
Vom Verstehen ins Tun — wir bauen gemeinsam ein erstes Modell, ganz ohne Computer.
“Students should learn that all decisions are made on the basis of models. Most models are in our heads. Mental models are not true and accurate images of our surroundings, but are only sets of assumptions and observations gained from experience.”
— Jay W. Forrester (1994)
Lösung: Modelle explizit machen — aufschreiben, aufzeichnen, formalisieren. Dann können wir sie prüfen, diskutieren und verbessern.
Forrester (1994) via Mobus & Kalton (2015), Kap. 13
“Decomposition and modeling go hand in hand in systems analysis. Both are needed to ferret out the understanding we seek.”
— Mobus & Kalton (2015)
Mobus & Kalton (2015), Kap. 12 & 13
Die Grenze bestimmt, was zum System gehört und was zur Umgebung.
Inputs →
???
System of Interest
→ Outputs
Am Anfang ist das System eine “Black Box” — wir kennen nur Ein- und Ausgänge.
Mobus & Kalton (2015), Kap. 12
Ziel: Die Black Box öffnen — aus ??? werden sichtbare Komponenten und Beziehungen.
Dekomposition ist rekursiv: Jede Komponente kann selbst wieder zerlegt werden.
Wenn die Funktion einer Komponente einfach und bekannt ist:
Mobus & Kalton (2015), Kap. 12
Nachdem wir die Komponenten kennen, zeichnen wir die Verbindungen zwischen ihnen.
Mehr → noch mehr → noch mehr…
Beispiel: Zinsen → Kapital → noch mehr Zinsen
Mehr → Gegenreaktion → weniger…
Beispiel: Hunger → Essen → kein Hunger
Diese informellen Diagramme nennt man Causal Loop Diagrams (CLDs) — ein Standardwerkzeug aus der System Dynamics.
Jackson (2024), Kap. 6 · Senge (1990)
“All models are incomplete reductions of the real system so can never really represent any kind of ultimate knowledge. Understanding is not some kind of absolute property. It is a question of relative understanding.”
— Mobus & Kalton (2015)
Mobus & Kalton (2015), Kap. 13
Wir durchlaufen den Modellierungszyklus gemeinsam — mit Stift und Papier.
“Any fool can know. The point is to understand.”
— Albert Einstein (zugeschrieben)
Unsere Frage
“Warum brechen Studierende ihr Studium ab — und was hält die Abbruchrate stabil oder verstärkt sie?”
Aufgabe: Schreibt 2 Minuten lang alle Variablen auf, die eurer Meinung nach den Studienabbruch beeinflussen.
Anleitung
Mögliche Schleifen
Methodik: Mobus & Kalton (2015), Kap. 12 · CLDs: Jackson (2024), Kap. 6
“Systems analysis is still very much as much an art as a scientific procedure.”
— Mobus & Kalton (2015)
Wir haben heute ein konzeptuelles Modell gebaut. Aber um wirklich zu verstehen, wie das System sich verhält, brauchen wir den nächsten Schritt:
“The human mind is best in the early stages … structuring the problem, recognising the variables involved and considering the linkages between them. [But] the human mind is deemed inadequate for grasping the dynamic, often counterintuitive behaviour to which the interacting loops and the lags give rise.”
— Jackson (2024), Kap. 6
Konzeptuelles Modell
(Stift & Papier)
Python-Grundlagen
(Let the Bits Roll)
Agentenbasiertes Modell
(Simulation)
Jackson (2024), Kap. 6
“Building and running models in simulation is the final step in coming to an understanding of systems of interest.”
— Mobus & Kalton (2015)